Was bedeutet eigentlich Grünvernetzung genau?
Roland Leitner: Das heißt ganz einfach, dass in der
Stadt bereits vorhandene Grünflächen gestalterisch
und qualitativ aufgewertet werden.
Rolf Geiger: Eigentlich sind die Verbindungen ja
schon da, man muss sie nur verstärken und sichtbar
machen als wirklich grüne Verbindung.
Wie kann das gehen?
Rolf Geiger: Nun, indem wir zum Beispiel standortgerechte
Stauden pflanzen und sie farblich aufeinander
abstimmen, und zwar so, dass auch der
Überlinger, der seit Jahrzehnten diese Wege geht,
merkt, dass sich etwas verändert hat, dass er die neue
Gestaltung auch intensiv wahrnimmt. Es wird eine grüne
Leitstruktur entstehen, die über die reine Funktion
hinaus gestalterische Aspekte berücksichtigt.
Darf ich mir das wie eine grüne Perlenkette vorstellen?
Roland Leitner: Ja, ganz genau.
Können sie ein Beispiel nennen, wie Grünvernetzung ganz praktisch aussehen kann?
Roland Leitner: Gerne. Nehmen Sie mal die Strecke
vom Bahnhof Mitte rein in die Stadt am Graben
entlang. Wir werden das ganze Stück neu gewichten
und vegetationstechnisch verschönern, also ordnen
und bepflanzen, und in das Konzept binden wir Wege,
Plätze und Flächen ein, und verbinden sie miteinander.
Das steigert die Attraktivität deutlich.
„Die Gräben sind nicht nur Verbindungsstücke zwischen den einzelnen Grünbereichen, sondern tragen in sich selbst einen hohen Wert”
Die Fußgänger bekommen also einen schön begrünten Rundweg?
Roland Leitner: Ja, denn eine moderne Grünstruktur ist in einer Stadt auch immer ein Teil der fußläufigen Infrastruktur. Das zu stärken, ist ein weiteres Ziel dieses Projekts.
Überlingen hat doch schon viel grün. Warum ist denn eine Vernetzung, wie sie im Zuge der Landesgartenschau stattfindet, so wichtig?
Roland Leitner: Weil jede Perlenkette nicht nur
aus einzelnen Perlen besteht, sondern sich erst dann
richtig entfalten kann, wenn man das große Ganze
betrachtet. So entsteht aus einzelnen Teilen der
städtischen Grün- und Gartenlandschaft erst ein Gesamtwerk,
wenn man sie miteinander fachmännisch
verbindet. Wir polieren die Perlen praktisch auf und
setzen sie neu zusammen.
Nach welchen Kriterien wurden denn die Projekte für die Grünvernetzung ausgewählt?
Rolf Geiger: Man schaut sich die Stadt und ihre
Grünstruktur an und erkennt eigentlich sofort, wo
die Stärken und Schwächen liegen, wo Ergänzung
oder Aufwertung erforderlich ist und wo man welche
Bereiche miteinander verbinden kann. So sind wir im Wesentlichen auf die Bereiche Villengarten,
St. Johann-Graben, Menzinger Gärten und Rosenobelgärten
gekommen.
Welche Rolle spielen die Stadtgräben?
Roland Leitner: Die Gräben sind nicht nur Verbindungsstücke
zwischen den einzelnen Grünbereichen,
sondern tragen in sich selbst einen hohen Wert, auch
stadtgeschichtlich, den wir individuell herausarbeiten
wollen. Das heißt, sie sind wesentlicher Teil der Grünvernetzung.
Und warum kommt die Grünvernetzung dann erst jetzt zur Landesgartenschau? Hätte es auch andere Möglichkeiten gegeben?
Roland Leitner: Eine Landesgartenschau hat immer
eine impulsgebende Wirkung, weil es neben den
Zuschüssen auch immer einen Termin gibt, an dem alles fertig sein muss. Das setzt Kräfte frei, Dinge in
einer Stadt zu realisieren, die man eigentlich schon
lange mal anpacken wollte. Der personelle und fachliche
Background der Landesgartenschau Überlingen
2020 GmbH kommt noch hinzu.
„Die Landesgartenschau wird mit den Ausstellungsbeiträgen dort in die historische Innenstadt geleitet.”
Sie öffnen ja damit auch verwunschene, geheimnisvolle Ecken der Stadt, die sehr viele gar nicht kennen?
Rolf Geiger: Neben der Infrastruktur ist natürlich auch die Erschließung von öffentlichen Freiräumen für die Allgemeinheit ständige Aufgabe einer Kommune, der sie nachkommen muss. Was wir hiermit tun.
Die Bereiche, die künftig geöffnet werden, spielen auch beim Ausstellungskonzept der Landesgartenschau eine Rolle?
Roland Leitner: Korrekt. Die Grünvernetzung ist nicht nur die große Chance, zum Beispiel die Rosenobelgärten mit der Rosenobelschanz und die Menzinger Gärten zu öffnen. Die Gärten spielen neben dem Uferpark eben auch für das Ausstellungskonzept eine wichtige Rolle. Die Landesgartenschau wird mit den Ausstellungsbeiträgen dort in die historische Innenstadt geleitet. Sie wird erst mit diesen Projekten „rund“ und dadurch ganz sicher für die Überlinger und die Gäste der Stadt ein besonderes Erlebnis.
Wie verbinden sich denn die LGS-Projekte mit den Intentionen des Grünflächenamtes?
Rolf Geiger: Sehr gut. Die Landesgartenschau steuert die Neugestaltung der Gärten, und das Grünflächenamt koordiniert die Aufwertung der Verbindungsstücke, zum Beispiel die ufernahen Böschungen entlang der Wege und die Übergänge zu den Stadtgräben mit den grünen Randbereichen. Wir werden hier überall in Qualität investieren, sodass der Fußgänger nicht nur die Wege selber erkennt, sondern auch bewusst das Erlebnis Grün wahrnimmt. Konkret: Die Uferböschung zwischen Therme und Uferpromenade oder der Stadtgarten als Bindeglied zwischen den Gräben und der Promenade. Mit der Neukonzeption des Rosengartens beginnen wir schon in diesem Jahr.
Passiert im Osten der Stadt auch etwas?
Rolf Geiger: Im Osten verschönern wir die Verbindung
vom Mantelkopf über den Seesportplatz bis
zur Ostpromenade. Das werden insgesamt gestaltete
Rundwege, und zwar nicht nur zur Landesgartenschau,
sondern auch dauerhaft.
Wie klappt das Zusammenspiel zwischen Stadt und der LGS GmbH?
Rolf Geiger: Das Grünvernetzungsprojekt ist ein
Musterbeispiel für die sehr gute und vertrauensvolle
Zusammenarbeit, die wir von Anfang an gepflegt haben.
Wir vom Grünflächenamt und auch die Stadtgärtnerei
sind intensiv eingebunden in die Planung
und Ausführung. Wir sind es ja, die später auch die
dauerhafte und erfolgreiche Pflege der Anlage im
Sinne der Nachhaltigkeit gewährleisten müssen.
Roland Leitner: Dem kann ich nur zustimmen. Was
wir für Überlingens Zukunft machen, geht alles Hand
in Hand mit den Kolleginnen und Kollegen der Stadt,
besonders intensiv naturgemäß mit dem Grünflächenamt.
Das schätzen wir sehr.