5. Dezember 2021

Landschaftsarchitekturpreis für den Überlinger Uferpark

Die Landesgartenschau Überlingen war trotz aller Einschränkungen durch die Corona-Pandemie mit 700 000 Besucherinnen und Besuchern ein großer Erfolg, und „zauberschön“ wie das Motto des letzten Wochenendes. Gut sechs Wochen nach Schließung der Tore erreichte die Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH noch eine, so Oberbürgermeister Jan Zeitler, „zauberschöne Nachricht“: Der von Marianne Mommsen, relais LA, geplante Uferpark als Hauptbestandteil der ersten Landesgartenschau am Bodensee wurde mit dem Landschaftsarchitektur-Preis 2022 ausgezeichnet, den der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla) Baden-Württemberg ausgelobt hatte. Unter dem Motto „Neue Ufer Überlingen“ hatte relais LA den Uferpark für den Landschaftsarchitekturpreis eingereicht.

Oberbürgermeister Jan Zeitler gratulierte Marianne Mommsen von relais LA, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Gero Heck den Wettbewerb zur Landesgartenschau Überlingen gewonnen und den Uferpark sowie den Umbau von Uferpromenade, Mantelhafen und Landungsplatz realisiert hatte. „Es freut mich außerordentlich, dass der Uferpark, den wir schon immer in seiner Qualität als herausragend und in seiner Gestaltung als für den Ort extrem passend empfunden haben, nun auch von der Fachwelt als ausgezeichnet gewürdigt wird“, so das Überlinger Stadtoberhaupt. „Und ich freue mich darauf, wenn im kommenden Jahr die Bürgerschaft den Park in seiner ganzen Vielfalt und vor allem mit den freien Seezugängen und den vielen Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten genießen kann.“

LGS-Geschäftsführer Roland Leitner sagte: „Ich sehe durch diesen Preis das Festhalten aller Beteiligten an der Planung von Frau Mommsen belohnt. Kein Verwässern der Planung, um einen nur scheinbar leichten Weg zu wählen, sondern hartnäckiger Einsatz für eine konsequente Gestaltung. Nach der Abstimmung mit den Füßen durch 700 000 Besucher der Landesgartenschau 2021 ist diese Preisvergabe eine weitere Bestätigung." Seine Geschäftsführerkollegin Edith Heppeler ergänzt: „Frau Mommsen, ihr Team und der Uferpark haben den Preis absolut verdient! Wir freuen uns sehr darüber, sind stolz und gratulieren!“ Marianne Mommsen: „Unsere Ufergestaltungen in Überlingen sind als Resonanzraum für den Bodensee, die Stadt und die Molassekante konzipiert. An dieser Schnittstelle wollten wir ein Entdeckungsfeld öffnen und planerisch dabei nicht nur an heutige Potenziale, sondern an Chancen für morgen und – wenn möglich – übermorgen denken. Die Stadt Überlingen und mehr und mehr Menschen vor Ort haben diesen Ansatz in wunderbarer Weise mitgetragen und ermöglicht. Als Planer empfinden wir diesen Preis als großartige Würdigung für diese gemeinsame Vision und für ihre nachhaltige Perspektive."

In ihrer Jurysitzung sichteten die neun vom bdla berufenen Jurorinnen und Juroren unter Leitung von Prof. Ulrike Böhm, Städtebau-Institut/Freiraumgestaltung, Universität Stuttgart, 24 nominierte Projekte.

Das Büro relais LA beschrieb in der Einreichung seine Planung wie folgt:
Im aktuellen gesellschaftlichen Diskurs sind Klimawandel, Artenvielfalt und die Entwicklung von Ökosystemen bestimmende Themen. Das Konzept für die Gestaltung des Bodenseeufers in Überlingen greift diesen Fokus auf und entwickelt daraus eine kulturlandschaftliche Perspektive. Uferpark und urbane Promenade werden dabei als Gegenpole entwickelt, deren Rahmen die Ufersituation auf einer Strecke von 2,5 km neu definiert. Im Kontrast zur Landschaftsbezogenheit des Parks setzt die Promenade das urbane Leben in Szene. Ihre Gestaltung zielt auf die behutsame Einpassung neuer Akzente, um den historischen und identitätsstiftenden Stadtraum weiter zu tradieren.

RAUM FÜR ÖKOLOGIE UND LANDSCHAFTSGENUSS
Der Uferpark wird auf seiner Südseite vom Bodensee und im Norden von den eindrucksvollen Formen der Molassefelsen begrenzt. Der so bedingte schmale Zuschnitt des Parks führt dazu, dass der Anspruch auf Freiraumnutzung und ökologische Belange sich hier überlagern und das Konzept auf die Synergien setzt, die sich durch die gestalterische Vermittlung beider Aspekte entwickeln lassen. Damit gelang die Konversion einer ehemals heterogenen Gewerbe- und Campingplatzfläche zu einer bewegten neuen Uferlandschaft. Anstelle der früheren Ufermauer wurde eine strukturreiche Ufertopographie geschaffen, in der steile und flachere Bereiche abwechseln. Die so geschaffene Wechselwasserzone fördert die Dynamik des Austauschs zwischen Wasser und Land und initiiert eine ortsspezifische ökologische Entwicklung. Der See gewinnt bei Hochwasser an Raum. Gleichzeitig bietet die Szenografie des Parks Raum zur kontemplativen und spielerischen Aneignung. So ist der hinzugewonnene Strukturreichtum des Flach- und Steilufers nicht nur ein ökologischer Wert, sondern kann auch erkundet werden.

PFLANZUNG ALS INWERTSETZUNG
Auch das Bepflanzungskonzept zielt auf die Neuentdeckung von Vertrautem. Dazu werden Arten der Kulturlandschaft mit Vertretern einer „klassischen“ Parkästhetik kombiniert, wodurch der Park ein besonderes Erscheinungsbild gewinnt. So greifen verschiedene Strauchpflanzungen im Park motivisch die charakteristischen wärmeliebenden Gebüsche der Steilufer am Bodensee auf und kombinieren deren Arten mit diversen Schmuckgehölzen. Ein besonderes Entdeckungsfeld bietet ein Strandrasen mit ehemals verbreiteten Arten der Bodenseevegetation.

DIE ENTDECKUNG DER GEGENWART
Die gewonnene ökologische Vielfalt wird bestimmend für das Parkerlebnis und wird perspektivisch durch die Nutzungsarten und Nutzungsintensität selbst beeinflusst. So werden vielschichtige Dynamiken initiiert, die die landschaftliche Situation des Bodenseeufers immer neu erlebbar werden lassen. Damit gibt das Konzept dem Unkontrollierbaren als gestalterisches Mittel einen konkreten Stellenwert für das Parkerlebnis.