1. Oktober 2018

Attraktion für große und kleine Kinder: Die Spiellandschaft im Uferpark

Der Aufsichtsrat der Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig die aus zwei Teilen bestehende Spiellandschaft im Uferpark vergeben. In der Endrunde standen zwei Entwürfe zur Wahl. Gewonnen hat die Firma KuKuk GmbH aus Stuttgart. „Die Spiellandschaft wird ein echtes Highlight während der Gartenschau, eine Attraktion im Uferpark vor allem für unser jüngstes Publikum. Und nach 2020 gehört der Spielplatz natürlich den Überlinger Kindern. Besonders spannend finde ich den Perspektivenwechsel, es geht bildlich gesprochen vom Grund des Sees bis rauf in den fast drei Meter hohen Mast. Der 60 Meter lange Trail bietet für alle was, für Entdecker genauso wie für die ganz Mutigen“, so LGS-Geschäftsführerin Edith Heppeler.

Vorausgegangen war ein offener Teilnahmewettbewerb, bei dem sich sechs Fachbüros oder Fachfirmen beworben hatten. Drei Anbieter erfüllten die geforderten Kriterien wie Preis, Spielwert, Haltbarkeit und Unterhalt am besten und wurden von der Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH aufgefordert, Entwürfe abzugeben. Das Budget war mit 300 000 Euro vorgegeben.

Der Spielbereich für die größeren Kinder umfasst rund 1750 Quadratmeter, die kleineren Kinder können sich in einem eigenen, mit Hecken abgegrenzten und auf ihr Alter zugeschnittenen Spielbereich auf einer Fläche von 80 Quadratmetern austoben. In die Ausgestaltung der Spiellandschaft unter großen Bestandsbäumen im Herzen des Parks sind zahlreiche Anregungen aus der Bürgerbeteiligung mit Kindern, Jugendlichen und Familien geflossen, unter anderem die Abtrennung in zwei Bereiche. Vor der Spiellandschaft, die sich in unmittelbarer Nähe zur Gastronomie befindet, ist eine langgezogenen Sitzbank situiert.

Im Entwurf von KuKuk werden die Spielgeräte aus Rubienhartholz sein und damit sehr widerstandsfähig und langlebig. Bei der teilweise eingebauten Bootsform haben sich die Spielplatzbauer nicht für die Lädine, sondern für das schlanke historische Felchenfischerboot als Vorlage entschieden. Klettern, sich verstecken, rutschen, balancieren und schaukeln – all das bietet die künftige Spiellandschaft, die schon zur Landesgartenschau 2020 eingeweiht und in Betrieb gehen wird.

KuKuk Spiel- und Sinnesräume, Stuttgart
Erläuterung zum Entwurf:
„Ausgehend von den Themen Bootsbau-Fischfang löst sich die von uns gestaltete Spiellandschaft von gegenständlichen Vorbildern und realen Zusammenhängen auf und wählt einen freien künstlerischen Umgang damit. Auf diese Weise wird die Fantasie angeregt und es den Nutzern in die Hand gelegt, in welcher Raumsituation oder Spielsituation sie sich mit ihrem Spiel befinden. Den Kindern tritt so eine Welt entgegen, die sie einlädt, diese nach ihren Vorstellungen mit den Kräften ihrer Fantasie zu gestalten.

Auf diese Weise erlangt der Spielplatz eine ästhetische Attraktivität, welche alle Generationen anspricht und so für die Landesgartenschau zu einer wichtigen Attraktion wird, die es sich lohnt einmal gesehen zu haben. Die gestalterischen Kriterien sind Perspektivwechsel, surreale Welt, Dimensionswechsel und fragmentarisch.

Die surreale Welt zeigt sich beispielweise in der Station Fischerei. Die Boote sind in der Höhe, in Vogelperspektive angesiedelt und die Fangnetze für die Fische umgarnen die Boote, die sich darin verheddern. Durch diese Überschneidung der Inhalte ergeben sich vielschichtige Momente, die zum Ort eine poetische Geschichte erzählen. Der Wechsel in den Größen und Dimensionen ist ein weiterer roter Faden, der sich durch die Spielanlage zieht. Es gibt winzige Boote, kleine Boote, große Boote und Fragmente von einem riesigen Boot. Diese Dimensionen mischen sich an manchen Punkten und schaffen so eine Wirklichkeit mit vielseitigen Aspekten und tragen zu einer Erlebnisvielfalt bei.

Beim Perspektivwechsel ist man als Nutzer z.B. einmal unter dem Boot („auf dem Grund des Sees") und im nächsten Moment oben auf dem Deck mit Weitblick über den Bodensee. Ebenso spielt ein grünblauer Farblichtraum auf die Situation unter Wasser an und zugleich befindet man sich im Fragment eines riesigen Bootshecks. Der Perspektivwechsel verlangt ein permanentes Neujustieren des Betrachtungspunktes und fördert so die kreativen Fähigkeiten in jedem. Das nicht Perfekte, das Fragmentarische zeigt uns eine Welt, die im Prozess ist, in der Veränderung geschehen und Fortsetzung möglich ist, weil nichts zu Ende gebaut, zu Ende gedacht wurde. Das ist eine offene Welt, die jeden einlädt mitzumachen.

Bewegungsvielfalt, Herausforderung und Mut stehen an oberster Stelle bei der Entwicklung der motorischen Angebote in dieser Spiel- und Bewegungslandschaft. Hochpunkte bis zu einer Höhe von 2,90 Metern über dem Fallschutz sind an einigen Stellen zu erreichen und teilweise über schwierigste Zugänge. Balanceakte über Hölzer und Seile, Hangeln und Klettern, Hindurchzwängen und Hinabspringen sorgen für einen vielfältigen Ablauf, wenn man den ganzen Trail (Gesamtlänge ca. 60 Meter) von einer Spielplatzseite zur nächsten durchklettert und erforscht. Eine konditionelle Herausforderung für den Körper und eine psychische wegen des Mutes.

Es wurde eine Struktur geschaffen, die sich entlang der langgezogenen Form des Fallschutzgrundes entwickelt. Man kann im Kleinkindbereich mit den einfachen und leicht zu schaffenden Balanciermöglichkeiten beginnen und steigert sich dann im Spielbereich für ältere Kinder bis zur Plattform am Schiffsmast. Dort ist der höchste Schwierigkeitsgrad. Ergänzt werden die Bewegungsangebote durch vielfältige Schaukel- und Schwingmöglichkeiten sowie durch Rutschen, Rutschstange und Wipp- oder Wackelspiele.

Die Sinne sind unsere Tore zur Welt. Werden diese angeregt sind wir wach und aufmerksam und erleben uns selbst vielfältig. Im grünblauen Unterwassertraum, dessen Licht durch Plexiglasscheiben einfällt, wird in Verbindung mit den sich im Freien befindenden Klangröhren ein magischer Ort geschaffen. Ein am Himmel schwimmender Fischschwarm auf Federstahlstangen, ein Zerrspiegel und die Klangröhren sind für Rollator und Rollstuhl zugängliche Sinnesstationen. So können in diesem Bereich Jung und Alt und Menschen mit Behinderung zusammen experimentieren und sich im Spiel begegnen.“

KuKuk entwickelt, plant und baut europaweit einzigartige Erfahrungs-, Spiel- und Außenräume für Menschen jeden Alters. Komplexe und dynamische Strukturen laden zum Klettern, Hangeln, Hüpfen, Balancieren ein und schulen Motorik, Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer und Koordination. Sie ermöglichen vielfältige Sinneswahrnehmungen und bieten Anlässe für Kommunikation. KuKuk will mit seinen Räumen die selbständige und direkte Wirklichkeitserfahrung sowie den spontanen und ganzheitlichen Umgang mit der (natürlichen) Umwelt fördern.