21. Mai 2018

Riesige Chance für die Natur am Bodensee

Die Landesgartenschau 2020 sorgt nicht bloß in Überlingen für Veränderungen, sondern für Impulse im gesamten Landkreis. Warum das so ist und wie die Region teilhaben kann, erklärt der Landrat des Bodenseekreises, Lothar Wölfle.

Herr Wölfle, was verbinden Sie mit dem Thema Garten. Haben Sie selbst einen?
Im Moment nicht, ich wohne in einer Mietwohnung. Aber ich durfte schon als Kind einen kleinen Teil des elterlichen Gartens bewirtschaften und habe das sehr gerne gemacht.


Und jetzt?
Ich habe auf meiner Terrasse sehr viel Grün. Gärtnern macht mir unwahrscheinlich Freude. Wenn man sieht, wie nach dem Winter langsam das Grün wiederkommt, baut das einfach auf.


Wann waren Sie das letzte Mal
auf einer Gartenschau?
In den letzten Jahren konnte ich leider keine im Ausstellungszeitraum besuchen. Aber ich habe mir immer wieder Gegenden angeschaut, in denen Landesgartenschauen stattgefunden haben. Das finde ich mindestens so spannend wie die Gartenschau selbst, weil man sieht, was dauerhaft bestehen geblieben ist. Denn genau dieser Punkt ist die riesige Chance, die jeder Veranstaltungsort bekommt, um sich weiterzuentwickeln.

„Das ist eine riesige Chance für die Natur am Bodensee und die Menschen in der gesamten Region."

Sie haben die Baustelle im Uferpark bereits besucht. Was sagen Sie zu den Planungen?
Ich finde die Planung hervorragend. Absolut gelungen. Das ist eine riesige Chance für die Natur am Bodensee und die Menschen in der gesamten Region.


Inwiefern?
Zugänge zum See sind besonders wichtig. Denn nah ans Wasser heranzukommen, ist in vielen Bereichen des Bodensees ein Problem. Natürlich gibt es einige Uferpromenaden im Landkreis, aber das ist nicht das Gleiche.

Welchen Stellenwert hat für Sie die naturnahe Ufergestaltung?
Das ist eine wichtige Aufgabe im gesamten Landkreis. Der See hat viele Jahre lang im Bereich des Natur-, Landschafts- und Artenschutzes kaum eine Rolle gespielt. Es ist Zeit, ihn der Natur und den Menschen zurückzugeben. In Überlingen kommen wir mit dem Uferpark dabei ein riesiges Stück voran.


Warum ist das so wichtig?
Es ist entscheidend für das Überleben einiger Tierarten. Aber auch für die Menschen ist es wichtig, das Wasser unmittelbar zu erleben. So kann die Verbindung zwischen Mensch, Natur und dem, was im Wasser passiert, wiederhergestellt werden.


Was bedeutet es Ihnen, dass die erste Landesgartenschau
am Bodensee in Ihrem Landkreis stattfindet?
Darüber bin ich richtig glücklich. Eine Landesgartenschau am Bodensee war allerdings auch überfällig. Ich freue mich riesig, dass Überlingen das Rennen gemacht hat. Es ist eine tolle Chance für die Stadt, den Landkreis und die gesamte Region.


Ist Überlingen die richtige Stadt dafür?
Ja. Aus zwei Gründen: Zum einen hat Überlingen dank seiner Größe die nötige Infrastruktur, wie etwa eine Schiffsanlegestelle. Auf der anderen Seite ist Überlingen nicht so groß, dass die städtischen Bedürfnisse alles überlagern.


Der Landkreis investiert insgesamt eine Million Euro in seine Präsenz auf der Landesgartenschau. Welche
Erwartungen verknüpfen Sie damit?
Der Landkreis soll erfahrbar werden. Zum einen für die Besucher aus nah und fern, zum anderen aber auch für die Menschen aus dem Landkreis. Wir kämpfen immer noch mit der alten Landesgrenze und hoffen, dass auch viele aus dem württembergischen Teil des Kreises in die ehemalige badische Kreisstadt Überlingen kommen, um sich die Ausstellung anzusehen.

„Überlingen wird vom Bürgerpark nachhaltig profitieren, aber er wird auch für alle Menschen in der Region ein Anziehungspunkt bleiben."

Wofür soll das Geld ausgegeben werden?
Der Kreistag hat 300 000 Euro für die Anmietung des Landkreispavillons freigegeben, in dem sich das Landratsamt, der Landkreis, aber auch die Städte, Gemeinden und die Wirtschaft aus der Region präsentieren wollen. Die restliche Summe setzt sich zusammen aus Personal- und Präsentationskosten bis hin zu Infomaterial.


Der Bodenseekreis ist sehr vielfältig …
Das stimmt. Wir leben hier in einer Kulturlandschaft, die durch die Landwirtschaft geprägt ist und in der der Tourismus hervorragend funktioniert. Parallel dazu haben wir Hightech-Industrie vom Feinsten und eine starke Wirtschaftskraft. Diese spannende Kombination findet man in kaum einem anderen Landkreis.


Diese Vielfalt an 179 Ausstellungstagen darzustellen,
ist sicher eine Herausforderung.
Wir haben uns im Landratsamt personell verstärkt, um dem Thema besser gerecht zu werden. Und es gibt auch schon die eine oder andere Idee: Zum Beispiel wollen wir uns nicht Amt für Amt darstellen, sondern als ein Landkreis auftreten.


Zum Bodenseekreis gehören 23 Städte und Gemeinden.
Wie wollen Sie sie einbeziehen?
Wir sind bereits an die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Städte und Gemeinden herangetreten und haben erste Treffen organisiert. Es gibt viele Ideen, aus denen jetzt ein stimmiges Konzept entstehen soll. Wir planen, uns eher themenweise zu präsentieren. So könnten – um nur ein Beispiel zu nennen – die Gemeinden, die sich beim Weinbau besonders hervortun, einen Schwerpunkt bilden. Das Landwirtschaftsamt könnte sich dazu begleitend vorstellen.


Wie können die Gemeinden langfristig von der
Landesgartenschau profitieren?
Überlingen wird vom Bürgerpark nachhaltig profitieren, aber er wird auch für alle Menschen in der Region ein Anziehungspunkt bleiben. Zusätzlich arbeiten wir seit Längerem daran, das Thema Gartengestaltung rund um den See zu einer weiteren touristischen Attraktion zu machen. Da stehen wir nicht am Anfang, aber durch die Gartenschau lässt sich dieser Bereich noch stärken.

Die Landwirte haben schon viele Ideen für 2020. Was macht die Region in diesem Punkt so besonders?
Zum Glück haben wir eine Landwirtschaft, die sehr gut funktioniert und extrem vielfältig ist. Sie reicht von Sonderkulturen im Bereich Obst- und Beerenanbau über Hopfen- und Weinbau bis hin zum Biogemüse und klassischer Milchviehwirtschaft. Das zweite wirtschaftliche Standbein sehr vieler Landwirte ist der Tourismus. Mit der Landesgartenschau bietet sich ihnen die Chance, diesen Bereich weiter auszubauen.


Inwiefern?
Ich bin überzeugt, dass die Gartenschau Menschen an den Bodensee bringen kann, die hier bisher noch keinen Urlaub gemacht haben. Wenn wir uns ihnen gut präsentieren, wird sich das auch in den Jahren nach 2020 bemerkbar machen.


Was würde 2020 für Sie zu einem unverwechselbaren
Ereignis machen?
Als Landrat des Bodenseekreises habe ich häufig mit Doppelstrukturen zu tun. Wir haben einen württembergischen Kreisjägermeister und einen badischen, einen württembergischen Sportverband und einen badischen. Die Liste ist lang. Ein Großereignis wie die Landesgartenschau bietet die Chance, die Trennung weiter zu überwinden. Ich hoffe, dass durch sie noch mehr Menschen merken, dass wir ein toller Landkreis sind, egal zu welchem Landesteil man früher gehört hat.

Gastronomie am Uferpark

Landkreispavillon

Mit der Landesgartenschau entsteht im Uferpark eine dauerhafte Gastronomie für die Überlinger und ihre Gäste. Der moderne Holzbau mit großzügigen Glasfronten, entworfen vom Architekturbüro Herrmann Kaufmann + Partner ZT GmbH aus Schwarzach in Österreich, bietet neben großzügigen Außenflächen und Sitzplätzen mit Sicht auf den See und die Molassekante eine natürliche Besonderheit: Das Gebäude wird vollständig von einer vertikal begrünten Dachkonstruktion umhüllt, die den Bau unverwechselbar macht und gleichzeitig als Beschattung dient. Im Gartenschaujahr wird sich dort der Landkreis Bodenseekreis präsentieren. Im Landkreispavillon sind die unterschiedlichsten Ausstellungen und Veranstaltungen geplant. Nach 2020 wird das Gebäude an einen Gastronomen übergeben.