Herr Wölfle, was verbinden Sie mit dem Thema Garten. Haben Sie selbst einen?
Im Moment nicht, ich wohne in einer Mietwohnung.
Aber ich durfte schon als Kind einen kleinen Teil des
elterlichen Gartens bewirtschaften und habe das sehr
gerne gemacht.
Und jetzt?
Ich habe auf meiner Terrasse sehr viel Grün. Gärtnern
macht mir unwahrscheinlich Freude. Wenn man sieht,
wie nach dem Winter langsam das Grün wiederkommt,
baut das einfach auf.
Wann waren Sie das letzte Mal auf einer Gartenschau?
In den letzten Jahren konnte ich leider keine im Ausstellungszeitraum
besuchen. Aber ich habe mir immer
wieder Gegenden angeschaut, in denen Landesgartenschauen
stattgefunden haben. Das finde ich mindestens
so spannend wie die Gartenschau selbst, weil
man sieht, was dauerhaft bestehen geblieben ist. Denn
genau dieser Punkt ist die riesige Chance, die jeder Veranstaltungsort
bekommt, um sich weiterzuentwickeln.
Sie haben die Baustelle im Uferpark bereits besucht. Was sagen Sie zu den Planungen?
Ich finde die Planung hervorragend. Absolut gelungen.
Das ist eine riesige Chance für die Natur am Bodensee
und die Menschen in der gesamten Region.
Inwiefern?
Zugänge zum See sind besonders wichtig. Denn nah
ans Wasser heranzukommen, ist in vielen Bereichen
des Bodensees ein Problem. Natürlich gibt es einige
Uferpromenaden im Landkreis, aber das ist nicht das
Gleiche.
Welchen Stellenwert hat für Sie die naturnahe Ufergestaltung?
Das ist eine wichtige Aufgabe im gesamten Landkreis.
Der See hat viele Jahre lang im Bereich des Natur-,
Landschafts- und Artenschutzes kaum eine Rolle
gespielt. Es ist Zeit, ihn der Natur und den Menschen zurückzugeben. In Überlingen kommen wir mit dem
Uferpark dabei ein riesiges Stück voran.
Warum ist das so wichtig?
Es ist entscheidend für das Überleben einiger Tierarten.
Aber auch für die Menschen ist es wichtig, das
Wasser unmittelbar zu erleben. So kann die Verbindung
zwischen Mensch, Natur und dem, was im Wasser
passiert, wiederhergestellt werden.
Was bedeutet es Ihnen, dass die erste Landesgartenschau am Bodensee in Ihrem Landkreis stattfindet?
Darüber bin ich richtig glücklich. Eine Landesgartenschau
am Bodensee war allerdings auch überfällig. Ich
freue mich riesig, dass Überlingen das Rennen gemacht
hat. Es ist eine tolle Chance für die Stadt, den Landkreis
und die gesamte Region.
Ist Überlingen die richtige Stadt dafür?
Ja. Aus zwei Gründen: Zum einen hat Überlingen
dank seiner Größe die nötige Infrastruktur, wie etwa eine
Schiffsanlegestelle. Auf der anderen Seite ist Überlingen
nicht so groß, dass die städtischen Bedürfnisse alles überlagern.
Der Landkreis investiert insgesamt eine Million Euro in seine Präsenz auf der Landesgartenschau. Welche Erwartungen verknüpfen Sie damit?
Der Landkreis soll erfahrbar werden. Zum einen für
die Besucher aus nah und fern, zum anderen aber auch
für die Menschen aus dem Landkreis. Wir kämpfen immer
noch mit der alten Landesgrenze und hoffen, dass
auch viele aus dem württembergischen Teil des Kreises
in die ehemalige badische Kreisstadt Überlingen kommen,
um sich die Ausstellung anzusehen.
Wofür soll das Geld ausgegeben werden?
Der Kreistag hat 300 000 Euro für die Anmietung
des Landkreispavillons freigegeben, in dem sich das
Landratsamt, der Landkreis, aber auch die Städte, Gemeinden
und die Wirtschaft aus der Region präsentieren
wollen. Die restliche Summe setzt sich zusammen aus
Personal- und Präsentationskosten bis hin zu Infomaterial.
Der Bodenseekreis ist sehr vielfältig …
Das stimmt. Wir leben hier in einer Kulturlandschaft,
die durch die Landwirtschaft geprägt ist und in der der
Tourismus hervorragend funktioniert. Parallel dazu haben
wir Hightech-Industrie vom Feinsten und eine starke
Wirtschaftskraft. Diese spannende Kombination findet
man in kaum einem anderen Landkreis.
Diese Vielfalt an 179 Ausstellungstagen darzustellen, ist sicher eine Herausforderung.
Wir haben uns im Landratsamt personell verstärkt,
um dem Thema besser gerecht zu werden. Und es gibt
auch schon die eine oder andere Idee: Zum Beispiel
wollen wir uns nicht Amt für Amt darstellen, sondern als
ein Landkreis auftreten.
Zum Bodenseekreis gehören 23 Städte und Gemeinden. Wie wollen Sie sie einbeziehen?
Wir sind bereits an die Bürgermeisterinnen und
Bürgermeister der Städte und Gemeinden herangetreten
und haben erste Treffen organisiert. Es gibt viele Ideen,
aus denen jetzt ein stimmiges Konzept entstehen soll.
Wir planen, uns eher themenweise zu präsentieren. So
könnten – um nur ein Beispiel zu nennen – die Gemeinden,
die sich beim Weinbau besonders hervortun, einen
Schwerpunkt bilden. Das Landwirtschaftsamt könnte
sich dazu begleitend vorstellen.
Wie können die Gemeinden langfristig von der Landesgartenschau profitieren?
Überlingen wird vom Bürgerpark nachhaltig profitieren,
aber er wird auch für alle Menschen in der Region
ein Anziehungspunkt bleiben. Zusätzlich arbeiten wir
seit Längerem daran, das Thema Gartengestaltung rund
um den See zu einer weiteren touristischen Attraktion
zu machen. Da stehen wir nicht am Anfang, aber durch
die Gartenschau lässt sich dieser Bereich noch stärken.