7. März 2019

Ein Glashaus für die wertvolle Kakteensammlung der Stadt

Kakteen sind Überlebenskünstler, denn sie kommen mit wenig Wasser aus. Gleichzeitig sind sie Diven und davon kann die Überlinger Stadtgärtnerei ein Lied singen. Sie nehmen jede Verletzung übel, jede Druckstelle beginnt sofort zu faulen. Eigentlich erstaunlich, dass so viele Exemplare jedes Jahr einigermaßen wohlbehalten zwischen dem Stadtgarten und den Gewächshäusern hin und her geschafft werden können. Mit dem neuen Pflanzenhaus am Bodenseeufer gehört das schmerzhafte Hin und Her bald der Vergangenheit an.
Zum Spatenstich kamen Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch und Regierungspräsident Klaus Tappeser, um Oberbürgermeister Jan Zeitler beim offiziellen Baubeginn zu unterstützen, ebenso die Landtagsabgeordneten Martin Hahn, Klaus Hoher und Klaus Burger, zahlreiche Stadträte sowie die Geschäftsführer der Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH Roland Leitner und Edith Heppeler. Passend zum Anlass sang das Überlinger Männerquartett „Die Grafen" den Commedian Harmonists Hit „Mein kleiner grüner Kaktus".

Einzigartiger Bau

„Das Pflanzenhaus wird ein in der Region einzigartiger Bau werden, der durch Funktionalität und Ästhetik überzeugt. Hier finden nicht nur die wertvollen Kakteen der Stadt ein neues zu Hause, auch hat die Stadt zukünftig die Möglichkeit hier Veranstaltungen direkt am See anzubieten“, so Oberbürgermeister Jan Zeitler. „Mit einer grandiosen Terrasse.“ Damit sei die Garten- und Gesundheitsstadt Überlingen um eine weitere Attraktion reicher. Dank der jüngst vom Gemeinderat genehmigten Beschattungsanlage sei das Pflanzenhaus auch an heißen Sommertagen ein wunderbarer Veranstaltungsort.

Die Kakteensammlung der Stadt Überlingen mit rund 5000 Exemplaren ist einmalig – von der kleinsten, den winzigen lebenden Steinen, über Opuntien mit ihren charakteristischen fleischigen Scheiben, dem auch als Schwiegermuttersitz bekannten Goldkugelkaktus bis hin zu den langen schlanken Säulenkakteen. Hermann Hoch, der erste Stadtgärtner, hat 1905 den Grundstein für die Überlinger Sehenswürdigkeit gelegt. Bis zu 100 Jahre alt, sechs bis sieben Meter hoch und bis zu 300 Kilogramm schwer sind die prachtvollsten, inklusive Topf und Erde. Im neuen Pflanzenhaus können sie dann aus ihren Töpfen holen, sie bekommen ordentlich Platz und die perfekten klimatischen Bedingungen.

Die für das gläserne Pflanzenhaus nötige Fläche zwischen der Bodensee-Therme und dem ehemaligen Haus des Gastes umfasst eine Fläche von 750 Quadratmetern. Das Gewächshaus, gebaut von Smiemans Projecten (Kwintsheul, Niederlande), wird 30 Meter lang, 20 Meter breit und bis zu zehn Meter hoch. Es ist aus Isolierglas und als dreischiffige, höhengestaffelte Bogenanlage im Stil einer Basilika gebaut. Das Pflanzenhaus kostet 1,3 Millionen Euro. Aus dem Fördertopf „Natur in Stadt und Land“ für die Landesgartenschau fließen 650 00 Euro an Zuschuss.

Treffpunkt Baden-Württemberg

Bevor allerdings die Exoten Einzug halten im Pflanzenhaus, wird sich während der Landesgartenschau vom 23. April bis 18. Oktober 2020 das Land Baden-Württemberg in seiner ganzen Vielfalt unter dem gläsernen Dach präsentierten. Der Treffpunkt Baden-Württemberg ist fester Bestandteil einer jeden Landesgartenschau, weshalb Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch (MdL) gerne nach Überlingen zum Spatenstich gekommen ist. „Das Pflanzenhaus ist ein bedeutender Mosaikstein für die Landesgartenschau Überlingen und für die Zeit darüber hinaus. Wir freuen uns, dass der Treffpunkt Baden-Württemberg seine Zelte quasi als Erstnutzer in diesem außergewöhnlichen Domizil aufschlagen darf.

Mit einem abwechslungsreichen Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm werden hier während der Landesgartenschau Ministerien und nachgeordnete Behörden die große Themenvielfalt, die Baden-Württemberg zu bieten hat, einer breiten Öffentlichkeit präsentieren“ , sagte die Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR). Zehn bis zwölf verschiedene Ausstellung wird bwgrün.de, die Förderungsgesellschaft für die Baden-Württembergischen Landesgartenschauen im Auftrag des Landes planen.

Im Treffpunkt Baden-Württemberg sind verschiedene Ministerien, Einrichtungen und Behörden des Landes Baden-Württemberg mit Ausstellungen vertreten. Spannende und aktuelle Themen aus den Bereichen Energiewende, Technik, Soziales, Natur und Landwirtschaft werden anschaulich und interaktiv vorgestellt. Dabei wechseln die Ausstellungen alle zwei Wochen und für Groß und Klein gibt es immer wieder Neues zu entdecken.