Bei der Mitgliederversammlung des Badischen Tauchsportverbandes (BTSV) am vergangenen Samstag im Dorfgemeinschaftshaus in Bambergen beschäftigten sich die Taucher auch intensiv mit der Planung zur Landesgartenschau 2020. Die Taucher stehen einer Landesgartenschau 2020 in Überlingen grundsätzlich positiv gegenüber. Das sagte Stephan Siroky, Vizepräsident des Badischen Tauchsportverbandes (BTSV) am Sonntag dem städtischen Pressereferat. 

Taucher möchten sich beteiligen

Die beiden Tauchsportverbände aus Baden und Württemberg, BTSV und WLT repräsentieren in 123 Vereinen insgesamt 10.000 Mitglieder. Beide begrüßen das Projekt Landesgartenschau ausdrücklich und sehen darin eine Chance, auch die Infrastruktur für das Tauchen zu verbessern. Ein gutes Miteinander zwischen Bevölkerung, anderen Besuchern und den tauchenden Gästen solle das gemeinsame Ziel sein. Die Spitzenvertreter beider Verbände und der beiden Überlinger Tauchvereine freuen sich über die Zusicherung der Stadtvertreter, die Taucherbelange genügend zu berücksichtigen und sichern jederzeitige Gesprächsbereitschaft und partnerschaftliche Zusammenarbeit in der weiteren Planung zur Landesgartenschau 2020 zu. Ein erstes Gespräch hat stattgefunden.

Stellungnahme des Tauchsportverbands im Wortlaut

“Der Badische Tauchsportverband möchte auf einige Punkte hinweisen, die ganz klar im Zusammenhang mit den Plänen zur Landesgartenschau 2020 zu sehen sind. Wir halten diese für so bedeutend, dass sie auch den Überlinger Bürgern näher gebracht werden sollten. Sie sind unseres Erachtens wichtige Aspekte bei der im April anstehenden Bürgerentscheidung zur Landesgartenschau.

Nach vorsichtigen Schätzungen finden im Bodensee jährlich etwa 100.000 Tauchgänge statt, allein im Überlinger See sollen es 70.000 bis 80.000 Tauchgänge sein. Die spektakulären Tauchplätze sind hier die Steilwände in Wallhausen und in Überlingen. Dies sind die einzigen, für Taucher gut zugänglichen Seeabschnitte, wobei der Uferabschnitt von Überlingen aufgrund der vorhandenen Infrastruktur den bei weitem größeren Zulauf hat. Das bedeutet, dass der größte Teil der Tauchgänge in diesem schönen Seeabschnitt in Überlingen selbst stattfinden. Wir gehen von 50.000 bis 60.000 aus.

In Überlingen sind zwei Tauchsportvereine ansässig. Das ist ein Teil derjenigen, die regelmäßig die Unterwasserlandschaft erkunden. Den wesentlicheren Teil stellen jedoch die tauchenden Gäste. Es sind Gäste aus dem direkten Umland, wie zum Beispiel Freiburg, Ravensburg und Friedrichshafen. Allein die beiden Tauchsportverbände in Baden und Württemberg repräsentieren in 123 Vereinen insgesamt 10.000 Mitglieder, von denen viele gerne und regelmäßig an den Bodensee fahren. Aber auch aus anderen Regionen und Bundesländern in Deutschlands kommen tauchende Gäste, um am Bodensee ein paar schöne Tage zu verbringen und zu tauchen.

Taucher kommen nicht nur, um ins Wasser zu springen und dann wieder heim zu fahren. Oft kommen die Partner und Partnerinnen, oder sogar die ganze Familie mit. Der eine Partner geht zum Tauchen, der andere geht shoppen oder ins Thermalbad. Anschließend trifft man sich beim Italiener oder an der Uferpromenade zum Essen. Am Ende wird noch getankt, bevor die Heimreise angetreten wird. Gäste mit weiterer Anfahrt bleiben sogar über Nacht. Der Bummel über den Wochenmarkt am Samstag mit den frischen Angeboten von den Bauern der Region ist bei vielen fester Bestandteil eines Wochenendaufenthaltes hier in Ihrer wunderschönen Stadt und Landschaft. Ich selbst kann das aus eigener Erfahrung beschreiben.

Schon vor vielen Jahren hat die Stadtverwaltung erkannt, dass die tauchenden Gäste einen wesentlichen Wirtschaftfaktor darstellen. Taucher sind willkommene Gäste und ein nicht unbedeutender Teil des Tourismus dieser Stadt. Es wurden gemeinsam Lösungen gesucht und gefunden. Die Möglichkeit für Taucher, während des Tauchganges in der unteren Ebene im Parkhaus Post oder am Bahnhof zu parken, die Hilfen für die Zugänge zum Wasser mit Treppen, das feste Installieren von Rettungsleitern, das Ausschildern von Tauchlätzen, um Gefahren durch die Schifffahrt zu vermeiden. Dies sind die wesentlichen, auch für jeden Außenstehenden erkennbaren Fakten.

Vor diesen Einrichtungen waren Taucher oftmals Störfaktor. Wildes Parken, Umziehen am Auto mitten auf der Uferpromenade oder im Wohngebiet, bis hin zum Verrichten der Notdurft im Gebüsch der Anwohner. Mit diesen Problemen hatten sowohl wir Tauchsportverbände, als auch die Stadtverwaltung zu kämpfen. Inzwischen hat sich das Bild der Taucher in der Überlinger Öffentlichkeit wesentlich gebessert. Wir Tauchsportverbände haben viel und lang Überzeugungsarbeit geleistet. Aber nicht zuletzt auch durch die von der Stadtverwaltung verbesserte Infrastruktur wurde dies möglich.

Wie kann während der Landesgartenschau dieses Konzept aufrecht gehalten werden? Auch wir Taucher sind Gäste und Teil der Gartenschau. Damit die alten unschönen Zustände nicht wieder entstehen, sollte das Erfolgskonzept der letzten Jahre in die Planung einfließen. Wenn dies nicht erfolgt, besteht sehr wohl die Gefahr, dass die Taucher abwandern und sich an anderen Plätzen etablieren.

Welche Parameter brauchen wir als Taucher zur Ausübung unseres Sportes? Was ist notwendig, damit die übrige Bevölkerung und die Besucher der Landesgartenschau nicht belästigt oder in ihrem berechtigten Wunsch nach Freizeitgestaltung beeinträchtigt werden?

Zunächst sollten die örtlichen Tauchsportvereine BAT und TGÜ unterstützt werden. Die jetzigen Vereinsgelände sind ideale Plätze zur Ausübung unseres Sportes, ohne Besucher oder Bewohner zu belästigen. Diese müssen erhalten bleiben. Dass beide Vereine ihre Gelände auch für Seminare, Veranstaltungen oder zum individuellen Tauchen zur Verfügung stellen, ist darüber hinaus ja auch für tauchende Gäste hilfreich. Das soll auch in Zukunft so bleiben, erklären beide Vereine.

Zu wünschen ist, dass an den beiden Vereinsgeländen und an den weiteren ausgewiesenen Tauchplätzen die Infrastruktur vorhanden ist. Dazu gehören als erstes Zufahrten und ausreichend Parkplätze. Die Parkplatzsituation soll nach jetziger Planung durch das Parkhaus wesentlich verbessert werden. Was sicher für die „normale“ Besucherströme eine gute Lösung darstellt, ist für die tauchenden Anwohner und Gäste nicht ausreichend. Bei der am Anfang meiner Ausführungen beschriebenen Zahlen wird schnell klar, dass einzelne Parktaschen an der Straße, die neben dem Bahngleis neu entstehen soll, auch nicht ausreichen. Eine Tauchausrüstung wiegt mehr als 50 Kg, das trägt man kaum über eine längere Strecke über die Uferpromenade.

Ein weitere Aspekt: Eine große Anzahl von Tauchern nutzen heute den Campingplatz als Destination und tauchen am dortigen Einstieg direkt ab. Wenn während der Gartenschau der Campingplatz geschlossen sein wird, wäre ein möglicher Ausweichort auf dem Wohnmobil-Stellplatz am Härlenweg. Das bedeutet, dass die Gäste zum Tauchen mit ihrem Fahrzeug an den See herunter fahren werden und dort ebenfalls Parkplätze benötigen, was im Parkhaus ja wegen der Größe der Fahrzeuge nicht geht. Zusammen fassend: es ist zu erwarten, dass der Parkplatzdruck wesentlich größer sein wird, als es von den Planern der Landesgartenschau momentan angesetzt wird.

Vor und nach dem Sprung ins Wasser steht der Weg auf die Toilette. Das ist besonders bei Tauchern durch die Physiologie medizinisch begründet. Da kann eine Strecke von mehr als 500m ein wirkliches Hindernis darstellen. Die im jetzigen Stellwerk geplanten WC-Anlagen sind da nicht ausreichend. Wir sind überzeugt, dass dies übrigens auch für alle anderen Besucher der Landesgartenschau gilt, besonders für die älteren Mitbürger. Auch hier sind neue Überlegungen für zusätzliche Sanitäranlagen notwendig.

Es wäre natürlich unser Wunsch, dass wir unseren Sport weiterhin im gewohnten und bewährten Maß ausüben können. Dies gilt auch für die Zeit nach der Landesgartenschau. Hier bringe ich die weitere Planung zum Fortbestand des Campingplatzes im Goldgrund ins Gespräch. Ich schätze, dass 80% der Campingplatzbesucher Taucher sind, die den Einstieg direkt am Platz benutzen und somit die Problematik zu Parkplätzen und Sanitären Anlagen wesentlich entschärfen. Wenn während der Landesgartenschau der Campingplatz geschlossen ist, werden viele, auch tauchende Gäste der Stadt fern bleiben und unter Umständen Alternativen zur Ausübung ihres Hobbys suchen. Diese Touristen können der Stadt nur zurück gewonnen werden, wenn möglichst schnell nach der Landesgartenschau wieder ein Campingplatz zur Verfügung steht, der auch wieder die bisherigen Möglichkeiten zum Tauchen bieten wird.

Die beiden Tauchsportverbände aus Baden und Württemberg, BTSV und WLT unterstützen die Stadt Überlingen in der Planung zur Landesgartenschau ausdrücklich. Das ist eine ganz eindeutige Aussage, die ich nicht nur für unseren, sondern auch im Namen und für den württembergischen Nachbarverband machen darf. Wir freuen uns über das Projekt. Gerne sind wir heute schon Gast in Ihrer Stadt und wir sind sicher, dass auch wir das Ambiente bei der Landesgartenschau gerne genießen werden. Wir haben den Planern bereits angeboten, während der Landesgartenschau mit vielen Aktionen, wie Infoständen, Infotafeln, Projekten und Aktionen den Besuchern Kurzweil und Information zu vermitteln.

Ein gutes Miteinander zwischen Bevölkerung, anderen Gästen und uns tauchenden Gästen ist unser gemeinsames Ziel. Wir freuen uns über die Zusicherung der Stadtvertreter, die Taucherbelange genügend zu berücksichtigen und sichern jederzeitige Gesprächsbereitschaft und partnerschaftliche Zusammenarbeit in der weiteren Planung zur Landesgartenschau 2020 zu. Ein erstes Gespräch hat stattgefunden. Wir möchten mit dieser Information auch das Verständnis, die Akzeptanz und die Unterstützung durch die Überlinger Bevölkerung gewinnen.

Vielen Dank für Ihr Interesse. Hannelore Brandt, Präsidentin BTSV – Badischer Tauchsportverband e.V.

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3 Antworten zu Badischer Tauchsportverband zur Planung der Landesgartenschau 2020

  1. Jens Sauerstein sagt:

    Ich tauche gerne, war aber nur einmal im Bodensee. Vielleicht fahre ich dann mal nach Überlingen, hört sich doch komfortabel an!

  2. Dirk Diestel sagt:

    Parksituation für Tauchjer: Dass einige Parktaschen entlang der verlegten bahnhofstraße niemals ausreichen können, ist klar. Zumal sie vermutlich sofort von nichttauchenden Verkehrsteilnehmern zugeparkt werden. Sinnvoll wäre es, diese Parktaschen als Be- und Entladezonen auszuweisen, vielleicht für 15 MInuten frei. Das genügt zum Ausladen und anschließend kann man sein Auto im Parhaus abstellen.
    Eine andere Alternative oder zusätzlich: Im Parkhaus einige Transportwagen (ähnlich den Palettenwagen im Baumarkt) bereithalten. Selbstverstänbdlich auch nur gegen Pfand. Dann kann man im Parkhaus parken und sein schweres Tauchgepäck bequem ans Ufer bringen.

    • Pressereferat sagt:

      Die Stadtverwaltung findet den Vorschlag sehr gut. Die OB sagte dazu gestern, 15 Minuten wären sehr gut. Familien könnten da auch Kinderwagen und großes Gepäck ausladen.

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