5. März 2018

Siegerentwurf für Gastronomie im Uferpark

Die konkrete Planung der dauerhaften gastronomischen Einrichtung im Überlinger Uferpark und die Suche nach einem Betreiber kann beginnen. In seiner jüngsten Sitzung folgte der Gemeinderat der Entscheidung der Jury mit einem einstimmigen Votum für den Preisträger, das Architekturbüro Hermann Kaufmann + Partner ZT GmbH aus Schwarzach (Österreich).

​Architekturbüro Hermann Kaufmann + Partner plant die Gastronomie im Uferpark

Die konkrete Planung der dauerhaften gastronomischen Einrichtung im Überlinger Uferpark und die Suche nach einem Betreiber kann beginnen. In seiner jüngsten Sitzung folgte der Gemeinderat der Entscheidung der Jury mit einem einstimmigen Votum für den Preisträger, das Architekturbüro Hermann Kaufmann + Partner ZT GmbH aus Schwarzach (Österreich). Stefan Hiebeler und Daniela Miller hatten das Büro vertreten und die Pläne in der öffentlichen Sitzung des Gemeinderats vorgestellt.

Das Büro aus Vorarlberg mit 21 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist auf nachhaltiges Bauen und modernen Holzbau spezialisiert, hat schon zahlreiche Hotels geplant und gebaut, und auch das neue Gipfelrestaurant auf dem 2244 Meter hohen Nebelhorn (Oberstdorf) realisiert.

Der Gemeinderat beauftragte die Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH, die Gastronomie als Bauherrin im Auftrag der Stadt zu realisieren. Die LGS GmbH hat das Gelände bis Juni 2021 gepachtet. Keinen formellen Beschluss, aber die feste Zusage von Oberbürgermeister Jan Zeitler gab es bei der Frage, wie der Gemeinderat in die nächsten Schritte eingebunden wird, wenn künftig der Aufsichtsrat der LGS GmbH die Entscheidungen treffen wird. „Vor der Beschlussfassung des Aufsichtsrats wird der Gemeinderat informiert“, sicherte OB Zeitler, Aufsichtsratsvorsitzender der LGS Überlingen 2020 GmbH, dem Gremium zu.

„Der Entwurf des Architekturbüros Hermann Kaufmann und Partner ist aus meiner Sicht spektakulär"

Spektakulärer Entwurf“

„Der Entwurf des Architekturbüros Hermann Kaufmann und Partner ist aus meiner Sicht spektakulär“, so der Oberbürgermeister nach der Präsentation der Pläne. „Dieser Standort wird so gut sein, dass die Gastronomie funktionieren wird.“ Als nächstes wird das Architekturbüro die Entwurfspläne ausarbeiten mit der Maßgabe, zunächst das im Kostenrahmen Mögliche und Notwenige zu planen, und gleichzeitig Erweiterungsmöglichkeiten wie die Gestaltung und Nutzung einer Dachterrasse oder den Einbau eines Aufzugs. Auch die Einrichtung einer Küche wird erst mit dem späteren Betreiber, der per Ausschreibung gefunden wird, besprochen und umgesetzt.

Das etwa 200 Quadratmeter umfassende Gebäude dient während der Landesgartenschau als Pavillon für den Landkreis Bodenseekreis und wird erst danach als dauerhafte Gastronomie betrieben. Für die Gastronomie während der Landesgartenschau wird ein Zelt errichtet, im direkt danebenliegenden Gebäude selbst werden nur wenige Räume für die Versorgung der Gäste genutzt. Der größte Teil ist Ausstellungsfläche für den Landkreis, der das Gastronomiegebäude mit 300 000 Euro bezuschusst.

Möglichst geringer Bodenverbrauch

Das Architekturbüro Hermann Kaufmann + Partner ZT GmbH hat den Pavillon als zweigeschossigen Baukörper mit möglichst geringem Bodenverbrauch geplant und ihn an der nördlichen Grenze des Grundstücks platziert. Dadurch bleiben im Süden großzügige Freiflächen erhalten, die als attraktive Außensitzbereiche mit Seeblick genutzt werden können. Der Zugang zu Gastronomie und Kiosk orientiert sich nach Osten zum Stadtzentrum von Überlingen und zu den benachbarten Spielflächen. Der vorgelagerte Platz bietet den Kiosknutzern weitere Sitzgelegenheiten und eine optimale Übersicht auf den benachbarten Spielplatz. Auch Richtung Westen und Norden öffnet sich der Baukörper und schafft so weitere Anknüpfungspunkte.

Sämtliche Außenterrassen und Vorzonen werden durch eine vertikal vor der Fassade angeordneter begrünte leichte Stahlkonstruktion und horizontale Markisen beschattet. Diese raumbildende und sich den Jahreszeiten anpassende Struktur umhüllt das gesamte Gebäude und verleiht dem Pavillon einen unverwechselbaren architektonischen Ausdruck. Durch die Integration der Dachfläche in die Gesamtgestaltung des Pavillons wird auch auf die exponierte und gut einsehbare Lage unterhalb des Molasse-Felsens reagiert.

Servicefunktionen im Kern

Alle Servicefunktionen sind in einem kompakt organisierten Kern untergebracht, an den sich der großzügig verglaste Gastraum angliedert. Durch seine längliche Proportion können alle Sitzplätze direkt an der Schaufassade zum See hin platziert werden. Die Personalräume befinden sich im Obergeschoss, wodurch der CO2-Fußabdruck des Gebäudes möglichst klein gehalten werden konnte. Über einen separaten Außenzugang können ebenerdig auch die öffentlichen Toiletten und der Taucherraum, unabhängig vom Betrieb der Gastronomie, erreicht werden.

Durch flexible Trennwände kann der Gastraum in verschiedene Bereiche abgetrennt werden. Auch ist es möglich, für Gruppen und Feiern einen abgetrennten Raum zu schaffen. Während die Freiflächen in den Sommermonaten großzügig bespielt werden, können die bewirteten Flächen und der Personaleinsatz an besucherschwachen Tagen auf ein Minimum reduziert werden, ohne dabei an Attraktivität zu verlieren.

Der Kiosk „dockt“ zudem direkt an Küche und den Gastronomietresen an, was zusätzliche Synergien schafft. Zusammengenommen bieten sich so optimale Grundlagen, um das Gebäude möglichst 365 Tage im Jahr zu betreiben.

„Zusammengenommen bieten sich so optimale Grundlagen, um das Gebäude möglichst 365 Tage im Jahr zu betreiben.​"

Temporäre Raummodule

Zur Unterbringung der Landesgartenschaugastronomie wird der Bau durch temporäre Raummodule ergänzt. Die Küchen- und Lagerflächen des dauerhaften Baus können bereits für die Gastronomie voll genutzt werden. Durch einen überdachten Übergang wird eine schwellenlose Verbindung in den Erweiterungsbau geschaffen, der sowohl eine erweiterte Küchenfläche für das Finishing und Anrichten der Speisen sowie den kompletten Gastraum beherbergt.

Durch die Verbindung von Pavillon und Gartenschaugastronomie zu einem architektonischen Ensemble mit vielfältigen räumlichen Bezügen nach Innen und Außen entstehen sowohl funktionale Synergien als auch eine klar definierte bauliche Situation, die den eigentlich temporären Charakter lediglich erahnen lässt. Durch die räumliche Ausbildung von klar lesbaren Zugängen an der Ost-, Nord-, und Südseite wird das Gebäudeensemble auch direkt an den geplanten Rundweg während der Landesgartenschau angebunden.

Findungsgremium

Eine aus der Verwaltungsspitze, Vertretern der Gemeinderatsfraktionen und einem Mitglied der Geschäftsführung der Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH bestehende Jury hatte nach zwei Sitzungen das Architekturbüro Hermann Kaufmann + Partner ZT GmbH zum Sieger einer Mehrfachbeauftragung gekürt. Die Jury bestand aus Oberbürgermeister Jan Zeitler (Vorsitz), Bürgermeister Matthias Längin, Stadtkämmerer Stefan Krause, den Gemeinderäten Jörg Bohm, Dr. Ulf Janicke, Hubert Büchele, Udo Pursche (bei der zweiten Sitzung vertreten durch Michael Wilkendorf) und Raimund Wilhelmi sowie Roland Leitner, Geschäftsführer der Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH (vertreten durch GF Edith Heppeler). Ingo Wessel (hospitality development) und Jürgen Pfaff von faktorgruen Landschaftsarchitekten standen der Jury beratend zur Seite.

faktorgruen und der von der Stadt Überlingen beauftragte Gastronomieberater Ingo Wessel hatten die anonymisierte Mehrfachbeauftragung vorbereitet und durchgeführt. Eingeladen waren vier Büros, die ihre Arbeiten mit einer Tarnnummer versehen abgegeben hatten. Die beiden Überlinger Büros, Klaus König, Dipl. Ing. Architekt, und bgi Böhler Großhardt GmbH & Co.KG Architektur & Projektmanagement, hatten sich im Verlauf des Verfahrens zusammengeschlossen. Neben dem späteren Sieger hatte als dritter Teilnehmer die Jangled Nerves GmbH aus Stuttgart ihre Ideen eingereicht.

Aufgabenstellung

Die Gastronomie soll Folgendes bieten:

• Aufenthaltsort im neu gestalteten Uferpark
• Servicefunktionen für Spielplatz (Erfrischung, WC)
• Präsenzfunktion im Uferpark (Sicherheitsgefühl, Betreuung)
• Destination zum Ausgehen und zur Begegnung für Überlinger und Gäste

Die Aufgabe an die Architekten war zweigeteilt. Zum einen sollten sie eine dauerhafte Gastronomie für den Uferpark entwickeln und gleichzeitig die temporäre Nutzung des Restaurants als Pavillon des Landkreises Bodenseekreis und die Unterbringung und Versorgung einer großen gastronomischen Einheit während der Landesgartenschau 2020 einplanen. In der Aufforderung zur Teilnahme an der Mehrfachbeauftragung wurde unter anderem Wert gelegt auf Erfahrung in der Konzeption und im Bau von Gastronomie, nachweislich in den vergangenen zehn Jahren und die Planung und Realisierung mindestens eines Gastronomieprojekts in den zurückliegenden drei Jahren (vertiefter als Innengestaltung oder Sanierung).

Beurteilungs- und Entscheidungskriterien für den eingereichten Entwurf waren:

• Hochbauliche Qualität
• Eignung zur Nutzung für das Gastronomiekonzept
• Qualität im Hinblick auf Energiebilanz
• Landschaftsarchitektonische und städtebauliche Einbindung
• Umgang mit der Lage im Uferpark West
• Wirtschaftlichkeit