5. März 2018

Im Gespräch mit Prof. Hubert Möhrle

Prof. Hubert Möhrle war rund 20 Jahre Vorsitzende der Gesellschafterversammlung von bwgrün.de, der Förderungsgesellschaft für die Baden-Württembergischen Landesgartenschauen mbH. Er hat in dieser Zeit maßgeblich die Freiraum- und Stadtentwicklung im Land mitgeprägt.

Warum sind Gartenschauen auch nach 38 Jahren noch interessant?

Die Bedeutung der Grünvernetzung, der Ausgleichsmaßnahmen und der naturbezogenen Erholungsmöglichkeiten ist drastisch gestiegen. Und längst ist es auch der Klimawandel, auf den Stadt- und Freiraumentwickler selbst in den kleinsten Kommunen reagieren müssen. Diesen Herausforderungen kann man vor allem mit der gebündelten Kraftanstrengung einer Landesgartenschau oder einer Gartenschau begegnen.

Baden-Württemberg war mit dem Modell Gartenschau Wegbereiter und ist damit erfolgreicher als andere Bundesländer. Was denken Sie, woran das liegt?

Das Land Baden-Württemberg bekennt sich durch das Förderprogramm „Natur in Stadt und Land“ ganz klar zu den großen und kleinen Gartenschauen im jährlichen Wechsel. Die Kommunen investierten bisher rund 300 Millionen Euro in grüne Freiräume – wovon das Land etwa 90 Millionen Euro beisteuerte. Knapp 700 Hektar Grünfläche wurden neu angelegt oder umgestaltet. Wir sind mit unseren Gesellschaftern seit unserer Gründung Partner des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz sowie der jeweiligen Gartenschau-Städte. Und wir haben sogar festgestellt, dass der Zuspruch immer stärker wird, das merkt man auch an den steigenden Besucherzahlen.

„Diese Landesgartenschau schafft ein neues Wir-Gefühl."

Was ist der wesentliche Gewinn für eine Kommune?

Die vielen neuen öffentlichen Grünflächen leisten einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Verbesserung des Stadtklimas und des Wohnumfeldes und damit der Lebensqualität. Landesgartenschauen und Gartenschauen verbessern die ökologische Bilanz der Kommunen. Denn die Schaffung eines Parks ist zentraler Bestandteil des Konzepts. Immer werden städtebaulich relevante Entwicklungen durch eine Gartenschau begünstigt und beschleunigt. Sie geben der jeweiligen Stadt und der Region einen spürbaren Entwicklungsschub.

Welche Chancen sehen Sie konkret für Überlingen?

Die intakten Grünräume, eine gut erhaltene, mittelalterliche Stadtstruktur und der Bodensee sind ein wertvolles Potenzial, das durch die Landesgartenschau verstärkt und deutlich ausgeschöpft wird. Überlingen hat alle Chancen, am zukunftsträchtigen Standort Bodenseeraum seine einzigartige städtische Identität und individuelle Standortqualität weiter zu verbessern. Und nicht zu vergessen: Diese Landesgartenschau schafft ein neues Wir-Gefühl, weil die Stadt einen Sommer lang im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung steht.