12. März 2018

Im Gespräch mit Mark Krieger

Dipl.-Ing (FH) Mark Krieger, Landschaftsarchitekt, leitet sein eigenes Büro Mark Krieger PFLANZUNGEN. Pflanzpläne entwickelte er unter anderem für die IGS in Hamburg, für die Bundesgartenschau in Schwerin sowie die Landesgartenschauen in Bad Essen, Öhringen und Bayreuth. Seine Lehrtätigkeit an der HSR Hochschule für Technik Rapperswil, Studiengang Landschaftsarchitektur, nahm er 2012 auf. Sein Fachgebiet: Pflanzenverwendungen. Seit 2014 hat er dort eine Professur. Für die Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH entwickelte er gemeinsam mit den Landschaftsarchitekten von relaisLA, die den Park planen,einen Pflanzplan für den Uferpark und die Uferpromenade.

Woher kommt ihr Faible für Gehölze und Stauden?

Diese Liebe ist schon sehr alt, ich bin als Kind schon immer zwischen dem Grün der Umgebung verschwunden und wurde immer wieder gesucht. Nach der Schule war mein Ziel nicht gleich das Studium. Mich drängte es in die Praxis. Aus den vielen Gärtnerberufen kam für mich eigentlich nichts anderes in Frage als Staudengärtner, da sich dieser mit den Pflanzen, die jedes Jahr wieder austreiben, beschäftigen kann und mit einer riesigen Vielfalt arbeitet.

„Je länger ich im Beruf bin, desto mehr habe ich Interesse auch an Gehölzen entwickelt."

Was macht sie so besonders?

Unsere Ökosysteme funktionieren wie auch die gewollten Bepflanzungen nun mal nicht nur mit einer Wuchsform, die Gehölze bilden den Rahmen für das Bild der Stauden und Einjährigen. Fällt nur eins weg, funktionieren die Gestaltung und die Ökologie nicht mehr richtig. Je länger ich im Beruf bin, desto mehr habe ich Interesse auch an Gehölzen entwickelt, da diese häufig nicht im Fokus der Pflanzenverwendung stehen, anders als die fast schon flüchtigen Stauden.

Wie nähern Sie sich der Landschaft, mit der Sie arbeiten, wie zum Beispiel dem Uferpark?

Hier hatten wir das Glück, dass relais Landschaftsarchitekten aus Berlin den Ort schon so genau definiert haben. Aus der Spannung, die sich zwischen der Steilkante und dem Ufer des Bodensees ergibt, entwickelt sich auch der Park. Dazu kommen die speziellen Bedingungen der Wassernähe und des Abraums aus den Stollen im Berg. All dies wirkt sich auf die Pflanzplanung unmittelbar aus. Die lange große Tradition des Gartenbaus in Überlingen spielt sicherlich auch eine Rolle.

Welche regionalen Einflüsse berücksichtigen Sie?

Am See haben wir durch natürliches Vorkommen von Schilf und Weidenarten eher silbrige Töne an schlanken Blättern. Interessanterweise haben auch die Pflanzen am Steilhang zum Teil silbrige, schlanke Blätter wie der Sanddorn, der hier am Bodensee in einer regionalen Ausprägung vorhanden ist, was ihn noch besonders macht. Diese Grautöne sind sehr gut geeignet, mit Orange und Blau kombiniert optisch ansprechende Bilder zu schaffen. Dabei ist nicht zu vergessen, dass die Blätter ja im Winter nicht vorhanden sind, die Struktur der Gehölze jedoch weiter mit dem Stein der Ufermauer und der Steilwand wirkt. Räumlich und gestalterisch geben sich im besten Falle die Pflanzen den Staffelstab weiter. Aus solchen Überlegungen entstehen dann Konzepte.

Welche Rolle spielt der Bodensee bei Ihrer Arbeit?

Der Bodensee mit seinen unendlichen Schattierungen bei jedem Wetter bleibt großräumig präsent, das geht gar nicht anders. Anders als an der Promenade in der Stadt, wird hier im Uferpark die Landschaft inszeniert, ja verdeutlicht. Die Topografie spielt mit den Horizonten, genau wie die Anordnung der Pflanzbeete und auch der Pflanzen darin. Lang gezogene Pflanzreihen wie übereinandergestapelt und leicht verschoben machen das deutlich. Doch auch die Farben spielen mit der Präsenz des Sees, sind mal leise und leicht wie ein Morgennebel auf dem Wasser oder auch ein Paukenschlag in der blauen Stunde, bevor die Sonne untergeht.

Sie spielen mit Farben und Formen und wählen als Leitfaden immer ein übergeordnetes Thema. Was wird es im Uferpark ein?

Wie gesagt werden lang gezogene Beete das Spiel der Horizonte aus der Landschaft in den Park tragen. Ein Highlight werden die Staudenpflanzungen auf den Kuppen der Hügel. Starke Farben und leichte Wolken und kraftvolle Staudengestalten wie die des Wasserdost (Eupatorium fistulosum) gehen hier ineinander über, bilden ein Staudenensemble, das die Kraft der Stauden, die ja jedes Jahr aus dem Boden neu wachsen müssen, inszeniert.

„Ein Highlight werden die Staudenpflanzungen auf den Kuppen der Hügel."

Welche Farben dürfen wir in der Hauptsache erwarten?

Magenta, zartes Gelb, Glutrot, Orange und das im Wechselspiel mit den Silbertönen der Weiden und des Sanddorns. Aber eben auch die Farben des Austriebs, die zum Teil kräftig dunkelrot sein können, den Farben der Früchte und dann auch der Herbstfärbung. Im Wind wogende Gräser, so feine Zweige wie die der Zwergpurpurweide und die Strukturen der Großstauden. Farbe wird oft überbewertet. Die Struktur bietet uns mindestens genauso viel Gestaltungsspielraum.

Was kommt zuerst? Das Bild, das Sie im Kopf haben, oder die Pflanzen, die dann ein Gesamtbild ergeben?

Es ist wie mit allen Ideen, es gibt dafür keine Regeln. Mal schaut man sich die Pläne an, die es schon gibt, liest etwas, geht vor Ort spazieren, versucht sich mit ersten Skizzen oder es erwischt einen im wahrsten Sinne des Wortes plötzlich. Mal ist es aber auch eine winzig kleine Situation, die dann in großem Maßstab zur Idee wird. Am ehesten hilft mir die Erinnerung an Orte, die ich besucht habe, oder auch Bildmaterial, das ich in gewisser Weise auch sammle. Natürlich sind es immer wieder die Pflanzen, die eine Inspiration sind.

Nach welchen Kriterien entwickeln Sie ein Pflanzkonzept?

Ganz klassisch nach Festigkeit, Nützlichkeit und Schönheit. Ist nur eines nicht im ausreichenden Maß vorhanden, wird es schwierig, eine Pflanzung zu etablieren. So muss es eine Pflanzung sein, die sowohl zur Gartenschauzeit mit aller Pracht und Inszenierung für dieses Fest gedacht ist, als auch für die Parkanlage, die dann in der Zukunft Bestand haben wird.

Gibt es eine Pflanze, die bei Ihnen nie fehlen darf in der Gestaltung, quasi ein Markenzeichen?

Ich hoffe nicht! Das wäre schade, natürlich gibt es immer wieder Pflanzen, die wie ein Fundament eine Pflanzung stabilisieren, auf die man kaum verzichten kann, doch kann man das auch subtil umgehen.

Haben Sie selbst eine Lieblingspflanze?

Ja immer die, die gerade im richtigen Licht am richtigen Ort für mich steht. Im Frühling natürlich auch alle meine Aussaaten zuhause, an der Fensterbank, an Ostern mein Osterkaktus und die Narzissen im Garten alles meine Lieblingspflanzen!