12. März 2018

Im Gespräch mit Marianne Mommsen

Die Entwurfsidee für die Landesgartenschau Überlingen 2020 stammt vom Büro relais Landschaftsarchitekten Stuttgart/Berlin, von Marianne Mommsen und Gero Heck. Ihr Credo: „Offen und neugierig suchen wir mit jeder Aufgabe nach den richtigen Fragen und entwerfen zukunftsweisende und maßgeschneiderte Antworten.“ Das Spektrum ihrer Arbeiten reicht von Projekten im urbanem bis zum landschaftlichen Kontext, vom städtebaulichen Maßstab bis zum konkreten Objekt. Das Team versteht sich explizit als Experten für Landschaftsarchitektur, die gemeinsam mit Architekten, Ingenieuren und Beratern komplexe Aufgabenstellungen lösen.

Was macht in Ihren Augen die Besonderheit des Uferparks aus?

Die Gestaltung verbindet das Anliegen einer ökologischen Aufwertung mit der Idee eines Bürgerparks. Diese spezifische Mischung wird auch für das Erscheinungsbild des Parks prägend sein. Es geht uns darum, attraktive Parksituationen für die künftigen Nutzer zu entwickeln und dabei zugleich den Strukturreichtum der Lebensräume von Flora und Fauna zu erhöhen. Auch dadurch ist die Parkgestaltung sehr stark auf die lokalen Gegebenheiten zugeschnitten. Das zeigt sich an den geplanten Neupflanzungen, an verschiedenen Baumaterialien, aber – darüber hinaus – ebenso an unterschiedlichsten Bezügen auf die Geschichte dieses Areals.

„Die Parkgestaltung ist sehr stark auf die lokalen Gegebenheiten zugeschnitten."

Was war denn Ihr Eindruck, als Sie zum ersten Mal das Gelände gesehen haben?

Ich war und bin immer wieder stark beeindruckt von der Wirkung, die die Molassekante und der Bodensee als landschaftliche Gegenpole an diesem Ort entfalten können. In Anbetracht dieses Potenzials empfand ich die gewerbliche Nutzung des zukünftigen Parkgeländes als nicht adäquat und die Wahl dieses Areals für die Landesgartenschau als besonders treffend.

Wie sind Sie an den Vorentwurf herangegangen?

Wir haben uns als Büro sehr intensiv und aus unterschiedlichsten Perspektiven mit dem Ort des Uferparks beschäftigt. Das umfasst seine Geschichte, Ökologie und seine infrastrukturellen Bezüge ebenso wie seine Raum- und Nutzungspotentiale oder seine Atmosphäre. Dabei spielt für uns prinzipiell die Abwägung eine entscheidende Rolle, in welche Richtung der vorgefundene Bestand entwickelt werden kann, um erlebbar zu werden und einen prägnanten und lesbaren Freiraum zu schaffen.

Hatten Sie auch eine alternative Idee?

Unser Büro hat in jeder Planungsphase unterschiedlichste Gestaltungsvarianten entwickelt und diskutiert. Wir arbeiten als Planer also immer mit einem Pool von Alternativen, der uns als Grundlage für unsere Herangehensweise und konzeptionelle Entscheidungen dient.

„Eine besondere Rolle spielt für unser Konzept die Verwendung von autochthonem Pflanzenmaterial aus der Bodenseeregion."

Wie wichtig ist Ihnen in Ihrem Entwurf die Pflanze als Gestaltungselement?

Die Gestaltung des künftigen Uferparks setzt sich mit den verschiedenen hier zusammentreffenden landschaftlichen Bezügen auseinander. Dementsprechend sind Pflanzen dabei ein ganz entscheidendes gestalterisches Ausdrucksmittel, mit dem sich diese Bezüge formulieren lassen. Eine besondere Rolle spielt für unser Konzept die Verwendung von autochthonem Pflanzenmaterial aus der Bodenseeregion. So nutzen wir für die Bepflanzung eine heimische Unterart des Sanddorns und im Bereich des neugeschaffenen Flachufers gebietseigene Schwarzpappeln und verschiedene Schilfpflanzen und Strandrasengesellschaften, um den spezifischen Charakter dieser Situationen zu unterstreichen.

Wenn Sie Ihre Gedanken in die Zukunft richten, wie stellen Sie sich den Park in der Nutzung vor? Welches Bild entsteht da vor Ihren Augen?

Ich denke an einen Park, der seinen Facettenreichtum unter Beweis stellen kann. Einen Park, der allen Generationen etwas bietet: Raum für Erholung und ebenso Raum für Aktivitäten und Entdeckungen.

Wie wird es Ihrer Meinung nach gelingen, dass der Park nicht isoliert von der Stadt betrachtet, sondern intensiv genutzt wird?

Der Park wird für Überlingen notwendige Spielangebote und zusätzliche attraktive Seezugänge bieten. Ich bin überzeugt, dass diese Angebote von den Überlingerinnen und Überlingern schnell als Bereicherung angenommen werden