10. März 2021

Landesgartenschau stellt die Weichen für ein farbenfrohes Frühjahr

Das Wichtigste einer Landesgartenschau ist die Daueranlage, das, was bleibt. Aber dennoch dürfen die Gäste auch üppige Pflanzenpracht erwarten. Die Vorbereitungen auf ein blühendes Frühjahr laufen in Überlingen auf Hochtouren.

Zehn Gartenbaubetriebe aus der Region werden bei ihrer Arbeit in vier Ausstellungsbereichen unter der Regie von Bernhard Halmer vom Gärtnerteam der Stiftung Liebenau unterstützt. Rund 85 000 Pflanzen sorgen im Frühjahr für üppige Pracht. 10 000 Stiefmütterchen sind schon in der Erde, ebenso rund 40 000 Blumenzwiebeln, unter anderem eine Vielzahl an Tulpen. 35 000 Frühlingsblüher werden nun gepflanzt, nach dem Konzept der Pflanzplanerin Petra Pelz. Ihre Pracht entfalten dürfen unter anderem Goldlack, Bellis, Blaukissen, Vergissmeinnicht, Mohn in allen Farben, Anemonen oder Elfenspiegel. Zierpflanzen- und Staudengärtner aus der Region werden den Wechselflor mit ihren Pflanzen bestücken.

Die gebürtige Magdeburgerin Petra Pelz ist eine der renommiertesten Landschaftsarchitektinnen Deutschlands. Nach ihrer Ausbildung zur Gärtnerin studierte sie Garten- und Landschaftsbau in Erfurt, war beim Gartenamt der Stadt Magdeburg tätig, bevor sie sich 1993 mit ihrem eigenen Landschaftsarchitekturbüro selbstständig machte. Sie hat großflächige Bepflanzungskonzepte entworfen und realisiert unter anderem für: IGA Berlin, IGS Hamburg, BUGA Havelregion, BUGA Koblenz sowie die Landesgartenschauen in Bayreuth, Eutin und Gießen.

Inspiriert von den Besonderheiten der ersten Landesgartenschau am Bodensee – vom Wein, dem Apfelanbau, dem Wasser, der Historie und der badischen Genussregion insgesamt – lädt die Gartendesignerin Petra Pelz die Besucherinnen und Besucher zum Lustwandeln ein. Mit viel Einfühlungsvermögen für den jeweiligen Ort überrascht sie mit aufregenden Pflanzen- und Farbkombinationen. „Das Motto der Landesgartenschau, erfrischend, grenzenlos, gartenreich, heißt auf den Wechselflor übersetzt: erfrischendes Lustwandeln durch ein grenzenloses Gartenreich voller kulinarischer Genüsse, spannender Geschichten rund um die Region und Lustwandeln durch einen mondänen Kurort mit einer einzigartigen Atmosphäre“, fasst die Landschaftsarchitektin ihr Konzept zusammen.

Uferpark
Für die 23 Wechselflorflächen allein im Uferpark, unter anderem am repräsentativen Eingangsbereich, entlang der Wege und Wegabzweigungen sowie bei der Gastronomie, hat Petra Pelz acht Themen, die sich jeweils dreimal wiederholen, konzipiert. Apfelpower ist eines davon. Das Leitgehölz im Wechselflor ist dabei der kleinfruchtige Zierapfel. Seine zarten weißen Blüten entfalten sich im Mai zu großer Pracht und im Herbst erfreut er mit seinen vielen erbsengroßen roten Früchten nicht nur das Auge der Betrachter, sondern auch Vögel und Kleiniere, die ihn gerne auf dem Speiseplan haben. Kräftige Farben – Gelb, Orange, ein kraftvolles Rot, sattes Blau oder tiefdunkles Violett begleiten die Leitstruktur.

Beim Thema „Müller-Thurgau trifft Blauburgunder“ fokussiert Petra Pelz auf die Farben Crème und Grün sowie kühles Blau und Violett. Wein und die Heckenzwiebel dienen hierbei als pflanzliches Rückgrat. Das Leitgehölz sind tatsächlich Weinreben der genannten Sorten. In einem anderen Beet begleiten Sommerblumen in Blau und Weiß gemischt mit wenig Violett den hohen blauen Salbei, inspiriert von einem Schwarm Bodenseefelchen. Schaumig weiße Blüten und das silbrige Laub einjähriger Pflanzen wie dem weißfilzigen Greiskraut muten an wie das glitzernde Wasser des Sees im Sommer.

Der Geist der Gunzoburg
Angeregt von der Geschichte der bald 1250 Jahre alten Stadt Überlingen gestaltet Petra Pelz die beiden innerstädtischen Ausstellungsbereiche Menzinger Gärten und Rosenobelgärten. Ein Thema: Müllers Abendhimmel. Damit nimmt sie Bezug auf die von Bruno Müller gegründete Sternwarte. Eine halbhohe blaue Bepflanzung dient als Grundlage, in die sie tropfenförmige weiße und gelbe Pflanzen setzt, die aus dem blauen Meer herausragen, zuerst ganz dicht in der Mitte und zum Rand hin immer lockererer gesetzt. Für das „Goldene Kegelspil im Abtsberg“ hat die Landschaftsarchitektin tief in der Geschichte gegraben und ein Konzept entwickelt mit leuchtenden Pflanzungen in Goldgelb, unter anderem mit hohen Dahlien in Gold- und Bronzetönen. Den „Geist der Gunzoburg“ beschwört sie mit feurigen Farbtönen in Rot, Orange und Braun hervor.

Eleganz in den Villengärten
Mit den Villengärten am See verbindet Petra Pelz den Begriff mondän. Und diese Art der Eleganz interpretiert sie in acht Farben, flächig angelegt, zum Beispiel mit Dahlien in noblem Rosé und Weiß gepaart mit Ziertabak im Sommer – ein Traum in Pastell. Oder mit Rittersporn und Salbei für himmelblaue klare Töne, mit Holunder, Lampenputzer und buntblättrigem Mais für dramatisches Schwarz-Rot, oder mit Sonnenblumen, Sonnenhut, Zinnien und Studentenblumen für strahlendes Gelb.